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DIE FRAU VOM MEER (2020)

Vergiss, was du weißt: Zwei Straßen weiter liegt die Fremde. Wir docken im Düsseldorfer Stadtraum mit unserer Version von Ibsens Bühnenklassiker „Die Frau vom Meer“ an, mit euren Fragen, mit euren Aussichten. Wie nah wollen wir uns kommen? Wir untersuchen Identitäten: die selbstgewählten, die uns auferlegten. „Die Frau vom Meer“ heisst Ellida, und sie weiß noch nicht, ob sie hier bleiben will. Sie ist Ehepartnerin, Ex-Geliebte, Stiefmutter, Frau – und voller Sehnsucht. Nach dem Meer, dem Grauenvollen, nach einer Aussicht. Danach, endlich anzukommen. Wer bewegt uns zum Bleiben? Wie lebt es sich mit die/der/das Fremde zusammen? Wir hinterfragen Codes, Rituale, Gewohnheiten von Stadt, Mensch, Theater.

Wir haben "Die Frau vom Meer“ vom 24.-27.09. und 01.–04.10.2020 im Maurice-Ravel-Park in Düsseldorf gezeigt.

ZUR BESETZUNG

ZUM TEASER

ZUM FFT



Hören: Halsbandsittiche (Hofgarten Düsseldorf)



Während der Entwicklung des Stücks haben wir Düsseldorf einige Fragen gestellt. Die hier unverändert und unkommentiert abgebildeten Antworten flossen anonym in den Text ein.

+ WAS MACHT DEINE ROLLE MIT DIR? WIE BIST DU SO GEWORDEN?

— wir sind unzertrennlich - es ist eine andauernde Auseinandersetzung, wer über wen regiert. dabei ist sie, meine Rolle, zu objektivieren, ist mein eigentliches Ziel

— Ich habe nicht nur eine! Manche Rollen fülle ich gerne aus, manche nicht so sehr ...

– Ein Drittel Vater, ein Drittel Mutter und ein Drittel „Selbst“, das mir sagt, was ich annehmen, übernehmen kann oder nicht.

— psycho-somatisches

– Ich bin

– Ich habe mich schon künstlerisch mit Rollen auseinandergesetzt z.B. mit Klopapierrollen https://youtu.be/NHzpcrFaoZ0

– Sie macht mich manchmal groß und manchmal klein.

– Sensibel, Stolz, manchmal Ungerecht,

– Jede der vielen Rollen verändert mich ständig und vor allem damit auch wieder die anderen Rollen, ein ständiger Fluss

– Sie stärkt mich

– Meistens ist mir meine Rolle als Rolle bewusst. Eine Rolle die sich von außen, durch den Blick anderer definiert. In manchen Kontexten mag ich meine Rolle. Vermutlich an Orten oder bei Menschen, an denen oder mit denen ich mich zuhause fühle. Es gibt Rollen die ich versuche seit Jahren abzulegen. Im Familien Kontext zum Beispiel. Oder manchmal gesellschaftlich. Das scheint allerdings ein Lebensprojekt zu sein. Immer wieder wende ich viel Energie auf ohne zu wissen, ob ein Rollenwechsel, überhaupt möglich ist. Denkt ein ein Tier über so etwas nach?

– ich möchte manchmal aussteigen

– Meine Rolle macht mit mir, das sich immer heraustreten möchte aus ihr. Anders sein als alle anderen ist meine Rolle, die sich mit der Zeit aus mir entwickelt hat. Ich befürchte nur, dass ich damit nicht mehr so lange gut fahre.

– Man darf sich nicht alles gestatten. Eine Zeit, in der alles erlaubt ist, hat noch jedesmal die in ihr gelebt haben unglücklich gemacht. Es gibt kein grenzenloses Glück. Es gibt kein großes Glück ohne große Verbote. Die Grenze ist das Geheimnis der Erscheinung, das Geheimnis der Kraft, des Glücks, des Glaubens und der Aufgabe, sich als winziger Mensch in einem Universum zu behaupten.

– Herausforderungen, um die Rolle immer wieder neu zu definieren.

– Ich suche sie stetig aus dem Kleiderschrank, manches ist noch in the closet und nur selten schäme ich mich nicht, wenn ich nackt bin.

– Macht mich fertig!

– Ich habe mich dazu entwickelt

– Lebe schon lange mehr als "teilnehmender Beobachter" und lerne immer mehr, den permanenten Wandel von Allem zu erfassen,

– Ich bin weicher geworden im Laufe der Zeit. Das Wasser schleift den Stein und das Leben schmirgelt die Kanten weg.

– Sie schränk mich ein, zwingt mich zum Stillstand.

– Sie gibt mir Sicherheit!

+ WAS DENKST DU ÜBER DAS, WAS ANDERE ÜBER DICH DENKEN? MAL EHRLICH!

— viel denke ich darüber. wie auch meine Rolle wünsche ich mir, die "Gedanken von und über" als Handwerkszeug betrachten zu können. sie heranzuziehen, da und wo sie nützlich sind

— Das ist mir relativ wichtig. Es sollte mir weniger wichtig sein. Schlussendlich ist es mir aber auch irgendwie egal, wie andere mich sehen oder bewerten. Davon lasse ich nicht nicht beeinträchtigen.

– Ich habe aufgehört, mir darüber Gedanken zu machen, kann aber trotzdem nicht aufhören, mich zu frisieren.

— ist was dran

– manchmal denke ich darüber nach

– Das ist zu kompliziert. Da denke ich nicht darüber nach.

– Ich denke, MAAANNN!!! Das kann dir doch egal sein! Und dann ist es das nicht und das frustriert mich. Wenn mir Begeisterung entgegenschlägt bin ich glücklich.

– Eigentlich gebe ich nicht soviel darum was andere über mich denken. Gefallen Kann ich sowie so nicht jeden. Manchen gefällt meine nicht immer leise Art andere lieben sie. Ich sage zu oft meine ehrliche Meinung das will auch nicht jeder hören

– Darüber denke ich viel zu viel nach

– ¿???

– Je nach Mensch die da denkt. Oft egal, manchmal erschrocken, manchmal erstaunt. Das soll ich also sein. Und was denken sie denn überhaupt, das Gedachte ist doch viel geheimer als das Ausgesprochene. Jede darf denken! Ich ja auch" Ich hoffe es denkt ganz wild in den Menschen!

– Vor allem oft zu viel darüber nach.

– erfährt man das wirklich? Manches wird mir nicht gerecht und wird einseitig wahrgenommen.

– Mir ist wichtig, dass andere von mir denken, was ich auch von mir denke oder viel mehr denken möchte. Ich schreibe ihm damit eine hohe Bedeutung zu, trage meine Botschaften nach außen, rede viel über das, was mir durch den Kopf geht.

– Persönliches Glück ist (oder Gleichgewicht, Zufriedenheit oder wie immer man das automatische innerste Ziel einer Person nennen mag) nur soweit in sich selbst abgeschlossen, wie es ein Stein in einer Mauer oder ein Tropfen in einem Fluss ist, durch den die Kräfte und Spannungen des Ganzen gehn. Was ein Mensch selbst tut und empfindet, ist geringfügig, im Vergleich mit Allem , wovon er voraussetzen muss, dass es andere für ihn in ordentlicher Weise tun und empfinden. Kein Mensch lebt nur sein eigenes Gleichgewicht, sondern jede*r stützt sich auf das der Schichten, die ihn umfassen. Der Mensch weiß gewöhnlich nicht, dass er* glauben muss, mehr zu sein, um das sein zu können, was er* ist. Jeder hat so eine Methode, die Bilanz seiner Eindrücke zu seinen Gunsten umzudeuten, so dass gewissermaßen das tägliche Existenzminimum an Lust daraus hervorgeht.

– es spornt mich an, wenn's positiv ist.

– interessant

– Die haben doch echt keine Ahnung!

– Schlimm schlimm ...

– Das hängt davon ab wer es denken könnte. Grundsätzlich weiß ich, dass ich nicht in die Gesellschaft passe

– Inzwischen so was von s.....egal!!!

– Es ist mir egal. Es ist mir nicht egal. Es ist mir scheissegal. Es ist mir gerad egal. Ich fürchte mich davor. Ich hoffe darauf. Es ist mir egal. Es ist mir nicht egal. Es wäre mir gern egal.

– Sie haben kein Recht über mich zu denken. Ich denke aber nicht besser über sie.

– Nichts. Ich weiß ja nicht mal, ob andere etwas über mich denken.

+ UND DAS UNBEKANNTE, LOCKT UND ZIEHT DICH DAS AN?

— ich glaube, es würde mich noch mehr anziehen, hätte ich ein entspannteres Verhältnis zu meiner Rolle und dem Außen

— Ja. Ich bin neugierig.

– Solange es nicht kriminell ist, ja!!

– immer

– Ich habe ein erweitertes veganes Bewusstsein. Auf der Erde kenne ich schon alles. Ich warte ab, was mir das Universum noch schenken will.

– Manchmal. Manchmal möchte ich aber auch die Zeit anhalten.

– Das Unbekannte mal fremd zu gehen nein hat mich nie gereizt. Drogen zu nehmen oder zu stehlen war und bin ich zu feige.

– Ja

– Manchmal sehr

– Ja, immer! Dringend! Es bedroht auch das Bekannte immer! Die Routine, das Gemütliche. Das beste Mittel gegen Langeweile! Gefahr für Geist und Seele auch... Neugierde!

– Ja, Unbekanntes zieht mich an. Schreckt mich aber manchmal auch ab. Das hängt von so vielen Faktoren ab, die jeden Tag, in jeder Situation anders sein können und anders auf mich wirken.

– absolut, das ist mein wegweiser, dem ich auf verschlungenen pfaden folge

– Nicht so sehr, ich lerne gerne Neues kennen, aber fühle mich am wohlsten im Bekannten.

– Im Jahrundert der *Flexibilität* müssen wir zu Kaltwasserschwimmern werden. Es gibt gar keine Möglichkeit, sich dem Unbekannten zu enziehen. Es ist nur: _noch nicht_ bekannt. Andererseits ist die Vorstellung, alles Unsichtbare sei nur noch nicht sichtbar gemacht, ziemlich überheblich.

– immer, muss wissen was dahinter steckt

– ja, aber nicht alles.

– Ich glaube mich lockt vor allem die immer wiederkehrene Entdeckung des Bekannten im Unbekannten, das Dich unvermittelt trifft.

– Ja, zieht an

– Ja sehr

– Nicht wirklich, denn es passiert ja ständig wenn man genau beobachtet...

– Es ist wie ein tiefer, dunkler Wald, der einen einsaugt, in sich aufnimmt, in dem man verschwindet und hofft, sich, an den Stamm eines Baumes gelehnt, wiederzufinden.

– Ja, sehr. Das Immer-Wieder-Kehrende zu mich runter. Ich möchte Immer-Wieder-Neues entdecken.

– Das Unbekannte ist mir wurscht! Ich will das alles nicht wissen, weil es sonst nicht mehr unbekannt ist!

+ WO BEGINNT DAS FREMDE? UND AB WANN IST ES NICHT MEHR FREMD?

— beim Missverständnis

— Mit dem ersten Schritt nach draußen.

– Nach der ausgestreckten Hand.

– vor der Tür

– Ich habe das meiste vom Prinzip des Lebens schon verstanden.

– Da, wo ich nicht sicher bin....

– Manche Menschen sind nach ein Paar Sätzen nicht mehr fremd und andere bleiben es Jahre

– Manchmal ganz schön nah, selbst ich selbst kann mir manchmal fremd sein und manchmal ganz weit weg

– Sobald es meine Moral und Werte verlässt

– Direkt neben mir. Manchmal auch in mir. Bei genauer Betrachtung überall.

– fremd = unbekannt ?

– es kann vor der haustüre beginnen, es ist nicht örtlich zu sehen, es liegt oft in äußerlichkeiten

– Dort, wo mir Menschen, Sprachen, Umgebungen nicht mehr vertraut sind.

– In mir.

– wenn ich die Sprache nicht verstehe

– alles ausser mir, manchmal in mir

– In mir selbst?

– In MIR – und das bleibt so. Und das NEUE am Schluß könnte zeigen, dass Alles schon immer in einem selbst war. Die ganzen Ängste und Sorgen... alles Zeit- und Energieverschwendung.

– In mir

– Beim unbekannten, bei der ersten Begegnung, z.B. vor der Haustür.

– Wenn das Sichere ins Unsichere schwankt.

+ WAS WÜRDEN WIR GEWINNEN, WENN WIR ANS MEER ZIEHEN WÜRDEN?

— Ruhe, ganz vielleicht Weitsicht

— Luft. Luft. Himmel.

– Welches Meer? Sich einem Tiefseebeben auszusetzen? Caspar David Friedrich oder Bibione? Selbst ein Fluss ist schon der Beginn von etwas Größerem.

– Sauerstoff

– Ihr müsstet in 100 Jahren wieder umziehen, weil der Meeresspiegel steigt.

– Weite, Mut und Sicht auf Meer.

– Mehr Lebensqualität, weniger Hektik

– Möwen Drachen sand

– Ruhe und Natur

– Das Salz in der Luft. Das Wasser, die Unendlichkeit. Massenhaft runde und flache Steine auf Fensterbrettern und in Jackentaschen. Das Rauschen.

– Gute Luft jeden Tag. Aussicht. Einen weiten Horizont, vielleicht auch einen erweiterten?

– den weitblick, die sehnsucht, was ist hinter der horizontlinie, die luft, die uns von anderen horizonten erzählt

– Das Gefühl von Freiheit, jedes Mal, wenn wir auf die Weiten schauen.

– Seeluft ist gut für Allergiker. Weniger Schnupfen.

– frische Luft und die Sehnsucht nach der Ferne

– mehr zeit und mehr plastik müll

– Eher nix

– Meer oder Berge... Wenn ich in mir keine Heimat finde... Egal , wo man hinzieht.

– mehr Meer

– Ruhe, Zeit, Besinnung, ev. Zufriedenheit! Das Meer zeigt uns unseren Platz in dieser großen, endlosen weiten Welt.

– Der Gewinn an unendliche Weite, die aber auch angst macht.

+ WAS WÜRDEN WIR GEWINNEN, WENN NOCH MEHR TOURIST*INNEN/FREMDE/ANDERE KÄMEN?

— entscheidend wäre, wie sie kämen und blieben

— Neue Ideen und Impulse. Wir hätten die Möglichkeit uns anders zu erleben.

– Neue Sprachen.

– ?

– Ich würde es begrüßen, wenn mehr hübsche Frauen kommen würden.

– Das Gefühl, dass die Einzelne nicht ganz alleine auf der Welt ist. Im guten und am Meer besonders im problematischen Sinne.

– Wenn ich mein Geld damit verdienen müsste mehr Gewinn.

– Noch mehr drachen

– Weg mit Ruhe und Frieden

– Vielfarbigkeit. Sehnsucht nach dem Winter. Die Fähigkeit zu Teilen.

– Freund*innen, Partner*innen, Weggefährt*innen, andere Perspektiven auf die Welt und auf uns,

– vielfalt, öffnung unseres tellerrands

– Wenn es um Tourist*innen geht, außer eine noch vollere Stadt. Wenn es um geflüchtete Menschen geht, dann ein Gefühl von Solidarität. Menschen in Gefahr oder schlechten Lebenssituationen muss geholfen werden. Massentourismus hingegen finde ich abscheulich, überflüssig und Umweltschädigend!

– Mehr Schnupfen.

– Erweiterung unseres Horizonts

– vielfalt, mehr fragen

– Neue Eindrücke?

– Gesunde Vielfalt und ein Stückchen mehr in Richtung not-wendiger Bewusstseinwandel.

– mehr Kultur, mehr Geschmack, mehr fremdes Gewürz

– Wenn jeder den anderen respektiert wie sich selbst, könnten wir Freunde gewinnen und unseren Horizont erweitern.

– Vielleicht nichts, aber müssen wir da etwas gewinnen ... ?

+ WANN IST DAS BOOT VOLL? WIE FINDEN WIR FÜR ALLE EINEN PLATZ?

— wenn Reflexion und die Möglichkeit zur Veränderung fehlen

— Wenn es zu sinken droht.

– Dann sollte man das nächste Bauen.

– Wenn es sinkt.

– Wenn einer mehr alle umwirft

– Solange die Sicherheit nicht gefährdet ist und genug Provokation an Bord

– Nie, dann gibts ein neues boot

– Wenn es technisch, wirtschaftlich, moralisch, philosophisch voll ist

– Wenn es nicht mehr schwimmen kann.

– Ich glaube daran, dass das Boot immer genug Platz haben kann – wenn man sich dafür einsetzt.

– wörtlich? wenn jede/r seinen raum zum sitzen hat übertragend? wenn gerechtigkeit überall stattfindet und keiner hunger leidet

– NIEMALS!

– Wenn sich die Balken biegen.

– in dem wir enger zusammenrücken

– wenn passagier nicht mehr bequem nebeneinander sitzen kann.

– Es gibt kein volles Boot!

– Platz und ein würdiges Leben ist für alle möglich. Man muss es nur wollen und akzeptieren, dass wir alle nur vorübergehend hier zu Gast sind...

– wenn das Wasser über den Rand schwappt wenn wir aufs offene Meer getrieben werden wenn uns die Wellen verschlucken

– Es ist voll, wenn jeder nur an sich selbst denkt. Mit Respekt, Rücksichtnahme und einem offenen Ohr passen sehr viele ins Boot.

– Es ist zu voll, wenn es untergeht.

+ FÜHLST DU DICH DORT, WO DU WOHNST, MANCHMAL FREMD? UND WENN JA, WARUM? IST ES DENN ETWAS BESTIMMTES, WONACH DU DICH HIER ZU HAUSE SO SEHNST?

— eigentlich nicht und wenn, dann frage ich mich, wie es um meine Einstellung steht

— Ja. Mit meinen Ansprüchen und Vorstellungen bin ich vielleicht manchmal zu rigide.

– Ja, und finde es wunderbar. Für mich ist die Muttersprache auch eine Fremdsprache.

– Ich fühle mich hier zu Hause. Düsseldorf ist meine Heimat.

– wenn es laut wird, weil ich in Stille sein will. Oder wenn es dreckig ist und lieblos.

– Vermisse meinen vor kurzen verstorbenen Mann

– Ja. Ich kann es nicht genau sagen. Manchmal fehlt vielleicht alt vertrautes

– Ja, zu viele Fremde

– Häuser aus Stein, Straßen aus Asphalt, die fehlende Offenheit der Flächen.

– Nein, ich fühle mich, da wo ich wohne, sehr zu Hause.

– anpassung, unverständnis den ängsten anderer gegenüber, kleingeistigkeit, kontrolle... ich sehne mich nach gedankenfreiheit, herzlichkeit und wärme, aufgenommen zu sein, wie ich bin

– Ja, gelegentlich. Ich fühle mich tatsächlich fast überall manchmal etwas fremd. Das hat wenige mit meiner Umwelt zu tun, sondern mehr mit den menschen, die mich umgeben.

– Manchmal riecht es komisch.

– nix, ich fühl mich ja pudelwohl

– ja, weil die menschen nur mit sich, mit geld, mit rollen spiel beschäftigen.

– ja. Vermutlich weil ich niemandem gehöre, deshalb folglich auch nirgendwo hin

– Ja, das Fremde ist nichts fremdes. Wenn die Verbindung gestört ist, wird die Welt fremd

– Engstirnigkeit, Kurzsichtigkeit und Egoismus bedrücken mich. Aber leider ist das überall auf der Welt so, weil der Prozess der Menschwerdung wohl noch sehr lange dauern wird...

– Das kalte Haus trägt einen Pelz aus Raureif, der mich sticht, wenn ich versuche, ihn abzustreifen.

– Ja, fremd fühle ich mich dann, wenn die Menschen um mich herum ihren Streifen durchziehen ohne sich umzuschauen.

– Ja, manchmal ... hier fährt jeder zweite einen SUV, ist Pferdebesitzer und trägt Steppwesten.

+ WÜRDEST DU DIESEN ORT TEILEN? MIT WEM, MIT WEM NICHT?

— jetzt doch die Rechtfertigung: einen kleinen physischen Ort brauche ich für mich, nur für mich

— Ja.

– Ich teile meinen Ort seit dem 15. März. Ich halte Liebe für den wichtigsten Integrationsfaktor (Rede an den kleinen Mann von Wilhelm Reich)

– Die Fremden sind schon Teil des Stadtbildes.

– Die Wohnung teile ich mit jemandem Geschöpfen, die mir etwas bedeuten. Fremde würd ich jetzt nicht einziehen lassen.

– Nein das könnte ich nicht

Ja mit allen die ich mag

– Ja mit familie und Freunden

– Ja, unbedingt. Das tue ich auch jetzt schon. Manchmal bewusst und von mir gesteuert, wenn ich Familie, Freund*innen und manchmal auch Fremde zu mir einlade. Und manchmal finden (für mich) Fremde den Weg in meinen Zu-Hause-Ort und meistens ist das schön :)

– den sehnsuchtsort? ja, mit offenen menschen

– Das tue ich mit viel Freude!

– Klar. Mit genügend devoten Personen.

– ja, mit meiner Familie auf jeden Fall, e s

– Ist ja schon geteilt. immer, egal wo.

– Ja

– Tja, mit wem, mit wem nicht... Jedenfalls nicht mit Nazis u.ä.

– Nur mit Menschen, die Wärme ins Haus bringen

– Diesen Ort würde ich teilen mit Menschen, denen ich vertraue.

– Wie teilen? Ich teile ihn doch schon mit allen.

+ DENKST DU, DU HAST DIE WAHL?

— ich lebe im Luxus, die Wahl zu haben

— Ich versuche bewusst zu wählen und mich zu entscheiden. Bei manchen Lebensumständen gelingt das allerdings nicht immer.

– Ja, ich habe immer die Wahl, immerhin alle 4 Jahre

– Man hat immer die Wahl.

– ja.

– Ja noch habe ich sie. Vielleicht eines Tages wenn ich alt oder krank bin wohl nicht mehr

– Ich hab immer die wahl

– Oportunistisches ja

– Vielleicht nicht immer darüber, wie die Dinge geschehen, aber immer darüber wie ich über die Dinge denke und welche Reaktion ich zeige.

– eigentlich ja, es gehört etwas mut dazu

– Nein, aber das macht nichts.

– Immer. Mensch sein ist Mensch-werden. Sonst können wir uns wieder in die Bäume hocken.

– ja, auf jeden Fall, es liegt an mir.

– ja klar, zum Glück!

– Ja

– NEIN!!!

– Ich denke, ich habe keine Wahl. Ich werde erfrieren vor Einsamkeit

– Ich hätte sie gerne, stelle aber leider oft fest, das es nur eine Illusion ist.

– Ich habe immer eine Wahl, bis ich keine Wahl mehr habe.

+ WAS WOLLEN DIE FREMDEN VON UNS? UND VON DIR?

— wer sind die?

— Achtung. Respekt. Teilnahme.

– Ein sicheres Leben, Selbstverwirklichung, in einem Land, das vielleicht den Grund der Flucht mitverursacht hat.

– Die suchen auch einen schönen Ort zum Leben.

– dass, was jeder will. Essen, Trinken, Platz, Freiheit, Sicherheit, einen Platz, der Heimat sein kann

– Gastfreundlichkeit, Erholung

Sich nicht mehr fremd fühlen

– Teilhaben, Besitzen

– sie wollen mein ohr, ihre geschichten erzählen, anerkannt werden

– Fremde wollen verschiedenste Dinge. Tourist*innen vor allem Neues erfahren, Menschen mit Fluchthintergrund vor allem Sicherheit und Perspektive.

– Die meisten wollen am liebsten in Ruhe gelassen werden.

– Infos was hier so läuft

– wer ist hier uns?

– ? Uns kennenlernen? Mich kennenlernen?

– Als Mensch wie Du und Ich gesehen werden...

– Die Fremden wollen Wärme, die wir nicht geben können, weil wir nur Kälte in uns tragen. Aber vielleicht, wenn wir ganz eng zusammenrücken, können wir gemeinsam ein wenig Restwärme erzeugen.

– Das wird wohl unterschiedlich sein.

– Nichts.

+ WAS WILLST DU VON DEN FREMDEN? WAS FORDERST, WAS WÜNSCHST DU DIR?

— ich vermute, Neues und Spiegelung zugleich

— Achtung. Respekt. Teilnahme.

– Ihre Sprache und darüber alles weitere, was es braucht für gute Nachbarschaft, Nachen ist ein altes Wort für Boot, Barschaft ein Synonym für Besitz.

– über den Tellerrand gehoben werden

– Respekt vor dem was sie vorfinden. Unterkunft die Umgebung

– Neues entdecken, bunter drachen

– Bereicherung durch Austausch

– teilhabe an unserem leben

– Weniger angestarrt werden.

– Wir sind alle Fremde.

– bißchen Anpassung an unsere Kultur (falls sie länger bleiben) sonst nichtsich

– lernen

– Bin meistens zu sehr mit mir selbst beschäftigt ...

– Als Mensch wie Ich und Du gesehen werden...

– Dass sie mich mitnehmen in ihre Welt, wir gemeinsam eine Geschichtenreise machen.

– Rücksicht und Respekt, die Bereitschaft uns kennenlernen zu wollen. Denn gerne möchte ich auch sie kennenlernen.

– Nichts.

+ GIBT ES ETWAS FREMDES AN DIR, WAS DU SEHR SCHÄTZT? UND WEISST DU, WO DAS HERKOMMT?

— ist mir zu intim!

— Ja. Ich bin oft erstaunt über Qualitäten die ich habe. Gewachsen sind die durchs Lesen, durch Vorbilder durch Bindungen.

– Ich kenne meine Eltern, Großmütter. Je weiter ich den Stammbaum verfolge, muss ich feststellen, im mir stecken Millionen und Millionen. Echnaton schreibt von Millionen und Millionen dreitausend vor Christi, Walt Whitman von Trillionen und Trillionen im 19. Jahrhundert.

– Bei mir ist alles bekannt. Das Fremde an mir sind eigentlich nur Krankheiten.

– mhm.... Ich muss leider passen. Vielleicht sind mir gelegentlich Kräfte fremd, die ich aufbrachte. Dann vielleicht.

– Nein

– Verrate ich nicht

– Mir ist nichts fremd

– mut zu neuen wegen, das habe ich mir selbst erarbeitet, durch reisen

– Meine blauen Haare sind wohl das, was an mir fremd ist. Und die liebe ich, versuche dadurch fremd und anders zu sein.

– Meine Darmflora.

– nee

– wenn ich sehr gelassen und lustig bin.

– Ja, das Fremde gibt irgendwie auch Freiheit

– Bei genauem Hinsehen ist immer wieder alles fremd und neu. Das ist das Evolutionsgeschehen, das weiter und weitergeht...

– Den Rand meines Abgrundes, den nur ich kenne.

– Das Blut meiner Ahnen in mir. Es ist mir selbst noch teilweise unbekannt.

– Wenn mir plötzlich etwas fremdes an mir auffällt, vielleicht auch ein zweites mal, also wiederkommt, dann ist es mir nicht mehr fremd.

+ BIST DU SCHON MAL EINEN HANDEL EINGEGANGEN? WENN JA: WAS HAT DICH DAS GEKOSTET?

— nein, nicht bewusst

— Ja! Einen Arbeitsvertrag. Das kostet mich Lebenszeit.

– Internethandel? Ich handele ungern, weil ich auch noch heruntergehandelt werden möchte.

– Beim Arbeitszeitverkaufen geht man immer einen Handel ein.

– ja.

– Beim Autokauf ja war aber Unspektakulärr

– Täglich

– Ja

– meine zeit

– Ich glaube man geht täglich Handel ein. Von Geldhandel, über Gefühlshandel, hin zu Arbeitskrafthandel, Aushandlungen mit Fremden auf der Straße, mit einem Blick in die Augen...

– Zeit. Was sonst kann man geben?

– ja, war für beide Seiten positiv

– Ja, vermeintliche Sicherheit gegen Freiheit...

– Ja. Meine Freiheit.

– Wie auch immer diese Frage gemeint ist, ja – bin ich.

– Täglich.

+ HAST DU DICH SCHON EINMAL KAUFEN LASSEN? WAS HAST DU DADURCH ERREICHT?

— vielleicht unbewusst

— Meine Arbeitskraft verkaufe ich. Und das bezahle ich letztlich mit meiner Energie.

– Mich kann man buchen, was soll ich sagen?

– Man lässt sich immer beim Arbeiten gegen Geld kaufen. Es hat etwas von Prostitution. Aber ich bin auch ein Aussteiger aus dem kapitalistischen System.

– nicht krass verkauft aber, aller Anfang... Lehrjahre sind keine... einem geschenkten Gaul...

– Nein das lehne ich kategorisch ab

– Hoffe nich

– Ja

– ja, nichts, das gefühl klein zu sein

– ja

– Wir fangen immer schon mit Schulden an.

– kann mich nicht erinnern

– Kaufen nicht, aber emotional erpressen. Das hat mich vorübergehend meiner Würde beraubt. Genau genommen: ich mich selbst...

– Bestimmt.

– Ja, war sehr kurzsichtig, hat mir nachhaaltig Ärger gebracht.

– Ich bin mal arbeiten gegangen, also JA.

+ HAST DU NOCH FRAGEN?

— zeichnet ihr das Fremde?

— Was passiert mit den Antworten?

– Nein

– Ich habe meine Fragen schon an das Universum gestellt.

– wie geht die Sache aus?

– Nö

– Wann und wo geht's los?

– Warum muss ständig aus dem Sein ein Sollen werden?

– Liebes klmmr : ich danke für das Gespräch

– Ständig!

– Könnt Ihr Nähe schaffen?

– Wer seit Ihr? Wer ist Ihr?

– Nein!

+ HAST DU FRAGEN ANS THEATER?

— wie über das Fremde reden ohne es einzufangen, zu labeln, zu unterwefen, zu repräsentieren?

— Es war interessant, diese Fragen morgens an einem freien Tag im Bett zu beantworten. Eine willkommene Selbstreflexion.

– Macht Ihr das Meer wie in der Augsburger Puppenkiste?

– Nein. Ich gehe nie ins Theater. Aber ich habe das Plakat beim S BHF Wehrhahn gesehen und ich habe mich gefragt, was es soll.

– Wie weit kann dein Einfluß reichen? Spielst du das Stück am Meer? Oder am Stadtstrand?

– Nönö freu mich auf september

– Gehe zu wenig hin

– Warum kommen nicht alle Theaterformen mal von ihrem hohen Roß herunter zum Pöbel?

– Woher wissen wir, wann es vorbei ist?

– vielleicht nach der Vorstellung

– Nein. Toi, toi, toi!!!

– Wann baut das Theater die inneren Hirarchien ab und behandelt die eigenen Mitarbeiter ebenbürtig?

– Nein.


Hören: Ein Auszug aus dem Stück

PROLOG (EIN AUSZUG)

[...]
Hamza: Gefällt Ihnen die Aussicht?
Christelle: Du kannst mich ruhig duzen.
Wangel: Ah, so sieht das jetzt aus. Ist das da drüben jetzt der Zoo?
Hamza: Nein, der liegt in dieser Richtung.
Lyngstrand: Schauen Sie mal, um diese Uhrzeit noch Jogger.
Hamza: Da, da drüben, da wohne ich.
Bolette: Ach, tatsächlich?
Hilde: Und wie sind die Wohnungen da? Wohnst du da alleine?
Hamza: Ist ok, ja.
Arnholm: Das stelle ich mir recht angenehm vor, so in direkter Nähe zu einem solchen Park zu wohnen. Da gehen Sie bestimmt öfter hier hin, oder?
Hamza: Eigentlich bin auch ganz gerne am Rhein.
Christelle: Danke, es ist wirklich wunderschön hier. Danke, dass ihr mir das gezeigt habt!
Bolette: Gerne.
Christelle: Vorhin habe ich diese Röhren gesehen. Bei diesem Spielplatz, ein Spielplatz ist das doch, oder?
Wangel: Ja, ja, natürlich.
Ballested: Es ist ja auch ein geschichtsträchtiger Ort.
Christelle: Wieso denn?
Wangel: Das sehen Sie von hier aus nicht, aber dort hinten steht ein Mahnmal. Für die deportierten Juden, wissen Sie.
Christelle: Oh.
Bolette: Papa!
Hamza: Und nicht zu vergessen: Dort am Wehrhahn, da gab es diesen Anschlag, vor zwanzig Jahren.
Hilde: Stimmt, davon hab ich gehört!
Bolette: Ach, ihr seid aber auch unmöglich. Können wir nicht einfach die Aussicht genießen?
[...]

BESETZUNG:

Mit: Hicran Demir, Ismail Deniz, Saskia Rudat; Musik: Carmen Brown, Raphael Landauer, Rolf Springer; Regie/Raumkonzept/Projektleitung: Marlin de Haan; Text/Dramaturgie/Instagram: Charlotte von Bausznern; Szenenbild: Alexander Wunderlich; Sound/Video: Fabian Schulz und Florian Zeeh; Kostüm: Jenny Theisen; Kommunikation/Marketing/Grafik: Laura Jil Beyer; Produktionsmanagement: Carina Graf; Technische Projektleitung: Malte Lehmann; Regie- und Dramaturgieassistenz: Laura Biewald


Herzlichen Dank an:
unsere Interviewpartner*innen, Henrik Ibsen, die Initiativen, Büros und Menschen, die Plakate bei sich und in der Fremde aufgehängt und dokumentiert haben. Alle, die auf unsere Fragen via unserer Webseite klmmr.org geantwortet haben; alle, die Postkartengrüße bestellt und geschickt haben; alle Abonnent*innen und Gesprächspartner*innen von Hilde Wangel auf Instagram. Das Garten-, Friedhofs- und Forstamt der Stadt Düsseldorf, das Ordnungsamt der Stadt Düsseldorf, Sondernutzungen; unsere Koproduktions- und Kooperationspartner und Förderer.


Fotodokumentation: Frau Babic; Filmdokumentation: Cecilia Gläsker-Venn